Im Detail

Innerhalb der Holzbauten des Lagerdorfes konnten insgesamt 13 Brunnen oder Zisternen untersucht werden, deren Holzverschalung teilweise in den tieferen Bereichen noch vorzüglich erhalten waren. Durch diesen Erhaltungszustand sind wir in der glücklichen Lage, für die Brunnen mit Holzverschalung heute absolute Baudaten durch die Dendrochronologie anzugeben. 

Jahresringdaten der römerzeitlichen Eichenbauhölzer aus Rainau-Buch als PDF-Datei.

Wie die dendrochronologischen Untersuchungen aber auch die Befunde selbst zeigten, waren die Brunnen unterschiedlich alt und waren teilweise früher schon aufgegeben worden. Dies ließ sich nicht zuletzt auch anhand der Verfüllung der Brunnenschächte nachweisen. Manche Brunnen waren völlig steril verfüllt und enthielten keinerlei Fundmaterial. Wieder andere Brunnen besassen brandschutthaltige Verfüllung mit reichem Fundmaterial.

Wie die dendrochronologischen Untersuchungen durch B. Becker vom Botanischen Institut der Universität Stuttgart-Hohenheim ergaben, sind die Brunnen 10 und 11 die ältesten in dem von uns untersuchten Bereich, die durch die Dendrochronologie datiert werden konnten. Die Bauhölzer dieser Brunnen wurden um 160 + / - 10 n. Chr. gefällt. Ein Datum, das wir in gleicher Form aus der zweiten Bauphase der Principiavorhalle von Aalen her kennen.
Absolut datiert sind die Brunnen 2 und 9, deren Hölzer im Jahre 160 n. Chr. gefällt worden sind. Der jüngste Brunnen ist Brunnen 7, dessen Hölzer 229 n. Chr. gefällt worden waren. Wie aber interessanterweise Hölzer aus der Verfüllung des Brunnens 13 zeigen, liegen hier Hölzer vor, die aus den Jahren 244, 246, 261 +/- 10, wahrscheinlich nicht später als 250 -255 geschlagen worden sind. Durch die Dendrochronologie besitzen wir hier im Lagerdorf von Buch einen weiteren Hinweis, dass das Lagerdorf bis spätestens 260 n. Chr. bestand und nicht, wie schon vielfach angenommen, früher aufgegeben wurde.

In vielen Brunnen fanden sich Holzgegenstände der verschiedensten Art, u. a. Leiterteile, Wagenteile, hölzerne Griffe der verschiedensten Form, daneben Bauhölzer verschiedener Art, angeschnitzte Pflöcke, Schindeln, Eimer und Fassdauben, die teilweise Brandspuren aufweisen und schliesslich eine ganze Anzahl von Kienspänen, die offenbar für die Beleuchtung der Häuser gedient haben. Einige Brunnen ragen hier besonders heraus.

Der Brunnen 9, dessen oberer Bereich stark mit kleehaltigem Boden verfüllt war, enthielt in den tieferen Schichten bemerkenswert stark angebrannte Hölzer, Ziegel- und Steinmaterial, was ohne Zweifel auf eine Brandkatastrophe hinweist. Die Holzverschalung dieses Brunnens war völlig vergangen. Sie konnte bis in eine Tiefe von 6,9 m nachgewiesen werden. Von hier ab war der unterste Teil der Zisterne rund. Die Sohle wurde bei 10,5 m erreicht. Eine starke Wasserschüttung in den tieferen Bereichen des Brunnens erschwerte die Bergung der auf der Sohle liegenden Gegenstände. Zunächst ist der erste fast vollständig erhaltene römische lnfanteriehelm in unserem Lande zu nennen.

Es handelt sich um einen aus relativ dünnem Bronzeblech getriebenen Helm mit breitem Nackenschutz und kreuzförmiger Verzierung auf der Helmkalotte, die aus dem Blech herausgetrieben wurde. Die beiden ungleich gestalteten Wangenklappen lassen sich vorne am Kinn verschliessen. Einige Details, wie etwa die unfertige Bearbeitung der rundlichen Bereiche des Nackenschutzes und die ungleiche Ausgestaltung der verzierten Wangenklappen lassen vermuten, dass der Helm unfertig in den Brunnen gelangt ist.
Bei diesem heute infolge der sog. Moorpatina goldglänzenden Helm handelt es sich um eine Variante des Typus Niederbieber, die im späten 2. und frühen 3. Jahrhundert nachweisbar ist. Besonders zu beachten sind einige Einschlagstellen an der Helmkalotte, die von aussen erfolgt sind und möglicherweise darauf hindeuten, dass dieser Helm in unfertigem Zustand getragen worden ist. Das nicht fertig gewordene Stück könnte ein Hinweis dafür sein, dass in der Umgebung des Fundortes, vielleicht im Lagerdorf selbst, eine Fabrikation derartiger Schutzwaffen zu lokalisieren ist. Neben diesem Helm lag auf der Sohle des Brunnens ein zusammengewickeltes Kettenhemd, das aus Tausenden von kleinen Eisenringen hergestellt wurde.

An vielen Kastellplätzen besitzen wir Einzelfragmente von diesen Kettenhemden, doch so grosse Stücke sind bisher ganz selten. Leider ist es trotz modernster Restaurierungsmethoden nicht möglich, dieses Kettenhemd zu restaurieren und wieder auseinander zu wickeln, um wichtige Details zur Tragweise des Kettenhemdes nachweisen zu können. Auch das dritte Fundstück aus diesem Brunnen stellt ein Unikum dar.

Es handelt sich hierbei um eine etwa 20 cm hohe Holzplastik, die die Hand eines geschulten Bildhauers verrät. Die Figur steht auf einem runden Sockel und zeigt einen buckligen, bärtigen Mann, der einen aus grobem Material hergestellten Mantel und einen kurzen gefalteten Rock trägt. Unter dem Rock ragt der übermässig betonte Phallus heraus, der, wie die Details zeigen, sekundär eingesetzt wurde und deutliche Brandspuren besitzt. Offenbar wurde der Phallus später erneuert. Der Mann, dessen tief liegenden Augen wohl mit organischem Material eingelegt waren, trägt auf der Schulter einen ovalen Wollballen.

Die Holzfigur ist im übrigen mit bronzenen Nägeln, von denen noch einige erhalten sind, zusätzlich verziert. Da wir bisher aus den nördlichen Provinzen des römischen Weltreiches nur vereinzelt Holzfiguren kennen, zeigt gerade unser Bucher Männlein, wie vielfältig derartige Bildwerke gewesen sein müssen. Die Deutung dieser unseres Wissens bisher einmaligen Figur ist schwierig. Wir dürfen wohl in dieser Darstellung die groteske Figur eines Lastenträgers sehen. Derartige Karikaturen finden wir immer wieder in hellenistischer und römischer Kleinplastik, die uns insbesondere auch aus römischer Zeit überliefert werden.

Der umfangreichste Schatzfund in Baden-Württemberg

Die Untersuchung des letzten Brunnens, die im April 1979 erfolgte, erbrachte dann einen der umfangreichsten Bronzegeschirr- und Eisengerätefunde, die wir aus Baden-Württemberg aus römischer Zeit kennen. Auf der Sohle des Brunnens 7, dessen Hölzer durch die Dendrochronologie in das Jahr 229 n. Chr. datiert werden konnten, fand sich ein aus ca. 40 Einzelteilen bestehender Fund, der damit der umfangreichste Schatzfund des 3. Jahrhunderts in Baden-Württemberg ist. Der Fund besteht aus 15 bronzenen Gefässen, drei kleinen bronzenen Figuren sowie etwa 20 Eisengegenständen der verschiedensten Art.

Betrachten wir zunächst die eisernen Gegenstände, so ist vor allen Dingen eine mehrteilige tordierte Aufhängung zu erwähnen, die in fast identischer Form nur etwas kleiner im Brunnen 13 gefunden wurde. An Gerätschaften sind eine 96 cm lange sog. Hypokaustschaufel, zwei bis zu 1,2 m lange voll- ständig erhaltene Sensen ein spitzförmiger Spaten, dessen Holzstiel allerdings fehlt, eine Axt, eine Schafschere, ein Fensterkreuz, ein Pickel, verschiedene Schlüssel, ein 66 cm langer Feuerbock mit drehbarer Kupferschale, ein Gitterrost, ein runder Ring, Eimerhenkel mit Haken, ein Messerblatt mit zwei Ösen, ein Haken, Schlossbeschläge, sowie mehrere nicht sicher bestimmbare Eisenteile.

Besonders zu erwähnen ist ein bronzener Henkel, der von der Form her einwandfrei zu einem sog. Hemmoorereimer gehört. Bei diesen Eimern handelt es sich um bronzene Gefässe, die häufig am Rand mit einem Bildfries verziert sind und zu den kostbarsten bronzenen Gefässen aus der Mitte des 2. bis zur Mitte des 3. Jahrhunderts zählen.

Die Qualität und Seltenheit des Fundes wird aber durch die 15 Bronzegefässe gekennzeichnet. Sämtliche Gegenstände sind vorzüglich erhalten und weisen meist nur geringe Beschädigungen auf. Zunächst einmal sind die Gefässe hervorzuheben, deren Herstellung zweifellos im späten 2. und frühen 3. Jahrhundert anzusetzen ist. Hierbei handelt es sich um einen Schöpflöffel sowie einen dazugehörenden bronzenen Seiher. Beide besitzen einen für diese Zeit typischen flachen Griff. Auf dem flachen Griff des Siebes lässt sich deutlich der Fabrikationsstempel SATVR- NINVS F(ecit) erkennen. Bei diesen Bronzekellen, die in unserem Fund paarweise vorkommen, einmal als geschlossenes Exemplar, zum anderen mit einem feinen Sieb, handelt es sich um Gegenstände, die gerade in dieser Form charakteristisch sind für die verschiedenen Bronzegeschirrdepots des 3. Jahrhunderts, so etwa in den Funden von Rheinzabern, Rutesheim und Walheim.

 

Gefäße

Weiter sind zu nennen zwei einfache kupferne Eimer mit zylindrischer bzw. leicht gehauchter Form mit Eisenhenkel. Diese Formen sind besonders charakteristisch für die Schatzfunde des 3. Jahrhunderts und treten in verschiedener Weise in Südwestdeutschland auf. Ebenfalls zu dieser Gruppe gehört wohl noch ein einfacher kupferner Deckel mit einem Durchmesser von 30 cm, dessen Griff abgebrochen ist.

Besonders qualitätsvoll sind drei bronzene Becken mit einem Durchmesser zwischen 21 und 27 cm, die teilweise kleine Flickstellen aufweisen. Bei den beiden ersten Becken sind die Henkel abgebrochen, beim dritten Becken besitzen wir eine sternförmige Attache mit einem Ringhenkel. Ein Zeichen dafür, dass dieses Gefäss an der Wand aufgehängt werden konnte.

Weiter ist eine Griffschale aus Bronzeblech zu erwähnen mit einem massiven, mehrfach profilierten Standring und massivem, leicht verziertem Handgriff, der in einem Hundekopf endet. Diese Griffschale gehört in dieselbe Gruppe, wie die Schale mit dem Widderkopfgriff. Sie ist im Gegensatz zu dieser sehr viel einfacher und wohl ein Erzeugnis des 2. nachchristlichen Jahrhunderts.

Besondere Bedeutung haben in diesem Fund eine ganze Reihe von herausragenden Bronzegefässen, die bisher in unserem Lande in dieser Qualität und Anzahl noch nicht gefunden werden konnten. Zunächst sei etwa eine 10 cm hohe, kugelige Bronzeflasche mit gebogenem Henkel erwähnt. Der Henkel ist auf beiden Seiten in Ösen eingesetzt, die auf dem Bauch des Gefässes mit blattartiger Attache befestigt sind. Die Öffnung des Gefässes ist mit einem Drehdeckel verschlossen, der heute noch funktioniert. Es handelt sich hier sehr wahrscheinlich um eine kleine für duftende Essenzen bestimmte Flasche, die noch vollständig intakt ist. Ausserdem sind zwei 12,5 bzw. 20 cm hohe Kannen mit enger Mündung hervorzuheben. Der gegossene Gefässkörper wurde mit einem Fuss und mit einem geschwungenem Griff verziert.

Die kleine Kanne zeigt deutlich, dass sie sehr lange benutzt wurde. Der ursprünglich sehr kunstvoll gefertigte Henkel ging im Laufe der Zeit verloren und wurde durch einen einfachen recht primitiv gestalteten Henkel, der an den Kannenkörper angelötet wurde, ersetzt. Der ursprünglich mehrfach profilierte Standboden ist ebenfalls verloren gegangen. Die grössere Kanne ist noch fast vollständig erhalten. Hier fehlt lediglich der ursprünglich mehrfach profilierte Standfuss. Er wurde durch einen einfachen sekundär angelöteten Bronzefuss ersetzt. Bei dieser Kanne ist jedoch der ursprüngliche Henkel noch vollständig erhalten. Am Ansatz oberhalb der Öffnung und aus dem blattförmig gestalteten Henkel ragt ein kunstvoll gefertigter Pferdekopf heraus.

Der Henkel ist auf dem Gefässkörper mit einer durch eine Frauenbüste verzierten Attache befestigt. Von der Form her lassen sich diese beiden Kannen zur Gattung der Kannen mit enger Mündung zuordnen, die wir zahlreich aus den verschiedensten Provinzen kennen und die ebenfalls in italischen Werkstätten hergestellt worden sind. Die moderne Bezeichnung dieser Kannenform deutet schon die Hauptfunktion dieses bronzenen Gefässes an. Es handelt sich hierbei um eine Kanne zum Giessen. Auch diese Kanne, wie auch die Griffschale, finden wir sowohl im Haushalt als auch im kultischen Bereich. Häufig finden wir, wie die Griffschale, die Kanne als Opfergerät auf den Benifiziariersteinen.

Ausserdem ist eine weitere vollständig erhaltene 19 cm hohe Kanne mit kleeblattförmiger Mündung und einem reich verzierten Henkel, der oberhalb der Mündung einen Löwenkopf besitzt und dessen Attache als Löwenpranke ausgestattet ist, zu erwähnen. Diese Kanne zeichnet sich durch ihren ausschwingenden profilierten Griff aus, der unter dem Randansatz verlötet wird und in elegantem Bogen nach oben schwingt. Auch bei dieser Kannenform lässt sich eine griechisch-hellenistische Tradition erkennen. Wir dürfen annehmen, dass auch dieses Stück aus einer italischen Werkstatt stammt und importiert wurde.

Die zuletzt erwähnten drei Bronzegefässe sind durchweg im 1. Jahrhundert n. Chr. hergestellt. Ihre starke Abnutzung zeigt, dass sie sehr lange in Gebrauch waren und wohl über mehrere Generationen hinweg vererbt worden sind.

Bronzefiguren

Die dritte Gruppe des Schatzfundes bilden schliesslich zwei Bronzefiguren auf bronzenen Statuettensockeln und ein dritter Statuettensockel ohne Figur. Die erste Figur stellt den römischen Kriegsgott Mars in voller Bewaffnung dar. Das Götterbild ist ein typisches provinziales Erzeugnis. Deutlich zu erkennen an der plumpen Darstellung und der falschen Proportionen. Als Beispiel hierfür sei auf das Missverhältnis zwischen Schild und Kopf des Gottes hingewiesen. Der mit Brustpanzer und Helm bewaffnete, stehende Gott hält in seiner Linken eine Lanze, in seiner Rechten einen Schild.

Deutlich im Gegensatz dazu steht ein kleiner auf einem runden Sockel stehender nackter Amor, um dessen Lenden ein Gürtel mit zwei Tüchern geschlungen ist. Dieser Amor hat geradezu barocke Gesichtszüge, wenn man die runde Nase und die Haartracht betrachtet. Die Rückenpartie wird von zwei kleinen Flügeln betont. Die beiden emporgehobenen Hände tragen eine vergoldete Schale. Ähnliche Darstellungen sind bisher selten. Die Funktion dieser Schale ist unklar. Auch hier könnte man an ein Kultgefäss denken.

Schliesslich lag auf der Sohle von Brunnen 13 ein weiterer Bronzegeschirrfund von hervorragender Qualität. Der Brunnen selbst war im oberen Bereich quadratisch mit abgerundeten Ecken. Die Verfüllung in den unteren Bereichen des Brunnens war auch hier stark mit Brandschutt durchsetzt. Ein Zeichen dafür, dass auch dieser Brunnen nach einer Brandkatastrophe verfüllt worden war. In einer Tiefe von 4,9 m erreicht man die intakte Holzverschalung. Zu unserer grossen Überraschung bestand diese Schalung dieses Mal aus einfachen Brettern, die sich an den Ecken überlappten. Besonders interessant ist, dass dieser Brunnen zweimal verschalt worden war. Möglicherweise war die ältere äussere Verschalung schadhaft geworden, so dass für die weitere Benutzung des Brunnens eine zweite innere Holzverschalung angebracht werden musste.

Wie die dendrochronologischen Datierungen der Hölzer ergaben, wurden die Hölzer der äusseren älteren Schalung 202 n. Chr. gefällt. Die Schalhölzer der inneren Verschalung stammen aus dem Jahr 215 n. Chr. Glücklicherweise fanden sich auf der Sohle des Brunnens auch zahlreiche datierbare Hölzer, die für die Verfüllung des Brunnens selbst wichtige Anhaltspunkte ergaben. Es handelt sich hierbei einmal um eine hölzerne Rinne, die aus einem Holz gearbeitet wurde, das im Jahre 244 n. Chr. gefällt worden ist.Ein Pfahl stammt aus dem Jahre 246 und schliesslich ein weiteres Holz aus dem Jahr 261 +/- 10 wahrscheinlich nicht später als 250-255 n. Chr. Diese drei Hölzer beweisen, dass der Brunnen erst nach 255 verfüllt worden sein kann. Wir gehen wohl kaum fehl, diese brandschutthaltige Verfüllung und damit die Aufgabe des Brunnens im Zusammenhang mit der endgültigen Aufgabe des Lagerdorfes von Buch im Jahre 260 n. Chr. zu sehen.

Auf der muldenförmigen Sohle des Brunnens lag ein Eisen- und Bronzedepotfund von beachtlichem Umfang und Qualität. Zunächst seien hier wiederum die Eisengegenstände betrachtet. Sie lagen unten auf der Sohle und wurden von den bronzenen Gefässen überdeckt. Unter den eisernen Gegenständen ist eine grosse mehrfach tordierte Aufhängevorrichtung zu erwähnen, die dazu diente, grosse kupferne Kessel über der Herdstelle zu befestigen. Dazu gehört ein einfacher, dreieckiger, eiserner Dreifuss und ein grosses hackmesserartiges Gerät. Dieses Eisengerät wurde offenbar zum Stechen von Rasensoden verwendet und besitzt eine Parallele aus dem Kastell Stuttgart-Bad Cannstatt.

Eiserne Schnellwaage

Besonders interessant und vollständig erhalten ist eine eiserne Schnellwaage mit einem Waagbalken von 91 cm Länge, auf dessen Seiten drei verschiedene Skalen eingraviert sind. Die Waage hat drei Aufhängepunkte und somit auch drei verschiedene Messskalen. Skala I umfasst ein Gewicht von O-35 römische Pfund. Skala II 10-68 römische Pfund und Skala III 21-138 römische Pfund. Die Waagschale selbst wurde sehr wahrscheinlich nur bei Bedarf angehängt. Sie besteht aus getriebenem Eisenblech und besitzt vier angeschmiedete Ösen, in denen sich die Aufhängeringe befinden. Sie wurde sehr wahrscheinlich mit Schnüren befestigt, die heute vergangen sind.

Für schwere Lasten konnte die Lastschale nicht benutzt werden. Man hat deshalb die drei Haken angebracht, um schwere Lasten einzuhängen. Schliesslich ist noch das eichelförmige Laufgewicht zu erwähnen, das mit zwei an den Balken aufgeschweißten Laschen am Laufgewichtshaken festgehalten wird.

Wie Untersuchungen von 0. Spiegler gezeigt haben, besitzt die Skala I eine Einteilung in 35 römische Pfund. Sie fängt bei 0 an und endet mit einer V. Die Einteilung erfolgt in Viertelpfund, wobei ein Viertel und dreiviertel Pfund mit Punkten, das halbe Pfund mit einem S = Semis, das ganze Pfund mit einem durchgehenden Strich bezeichnet ist. Die Bezifferung erfolgte bei 5 Pfund mit einer V, bei 10 Pfund mit einer X. Diese Ziffern wiederholen sich bis 35 Pfund.

Die Skala II ist in halbe und ganze Pfunde geteilt, wobei die halben Pfunde durch Punkte, die ganzen Pfunde durch durchgezogene Linien gekennzeichnet sind. Die Bezifferung ist unterschiedlich und wechselt zwischen der V und der X. Die Anfangsziffer ist XX, die Endmarke eine V und drei Einzelstriche. Die Gesamtbelastung beträgt 68 römische Pfund. Die Skala ist teilweise zerschlagen, und deshalb sind die Ziffern nur in Ansätzen erhalten. Auf der Skala III sind die Einheiten wieder deutlich zu erkennen. Die erste Markierung ist durch eine 1, es folgt eine XX dann fortlaufend im Wechsel zwischen V und X bis zu 138 Pfund.

Die Pfundmarken dieser Skala sind jeweils durch einen Punkt bestimmt, die Bezifferung erfolgt von V zu V Pfund. Da nur 117 Pfund als Marken aufgebracht sind, muss die Skala bei 21 Pfund beginnen. Die einzelnen Abschnitte an drei Skalen sind unterschiedlich gross. Sie schwanken bei Skala 1 zwischen 18 und 21 mm bei Pfundteilungen, bei Skala 11 zwischen 8 und 11 mm bei Pfundteilungen und bei Skala III zwischen 56 und 59 mm bei Zehnpfundteilungen.

Bronzene und kupferne Gefässe

Die bronzenen und kupfernen Gefässe sind wiederum vorzüglich erhalten. An erster Stelle ist ein grosser Kupferkessel mit einem Durchmesser von 71 cm und einer Höhe von 40 cm zu erwähnen, der vorzüglich erhalten ist. Parallelen dazu sind Depotfunde des 3. Jahrhunderts, z. B. in Rheinzabern, filzen bei Trier und Straubing. Zwei weitere Kupfereimer mit Eisenhenkel mit einer Höhe von 21 cm bzw. 37 cm sind ebenfalls vollständig erhalten. Auch sie gehören in den bekannten Formenschatz römischer Metallgefäße des 3. Jahrhunderts.

Eine bronzene Kasserolle ist nur teilweise erhalten. Der Griff ist zur Hälfte abgebrochen. Auch in diesem Fund befand sich eine flache bronzene Pfanne mit einem Durchmesser von 25 cm mit sternförmiger Attasche und einem Ring.

Kostbare Feldflasche

Besonders kostbar ist eine 14 cm hohe aus Eisenblech hergestellte und mit Bronzeblech umfasste Feldflasche. Der Standring, die Mündung und die beiden seitlichen Aufhängevorrichtungen sind ebenfalls aus Bronze gearbeitet. Der ursprüngliche Verschluss fehlt.

Bei diesem Gefäss handelt es sich um ein sehr seltenes Metallgefäß, dessen Funktion vorerst noch unbestimmt bleiben muss. Möglicherweise war es für duftende Essenzen bestimmt, die Seltenheit spricht dafür, dass es wohl kaum im normalen römischen Haushalt in Benutzung war, sondern wohl eher im kultischen Bereich Verwendung fand.

Zusammenfassung

Die drei Brunnen, auf deren Sohle umfangreiche und wertvolle Funde gemacht worden sind, zeigen klar, dass sie bis zur Aufgabe des Kastelldorfes benutzt wurden. Die heute noch ungewöhnlich starke Wasserzufuhr und die brandschutthaltige Verfüllung sind Zeugen dafür, dass sie in einer unruhigen Zeit aufgegeben werden mussten und nach erfolgter Brandschatzung mit Brandschutt, Bauschutt u. ä. verfüllt worden sind.

Zweifellos sind diese Fundkomplexe Schatzfunde, die in den Brunnen im 3. Jahrhundert abgelegt worden sind. Es handelt sich hierbei vor allen Dingen bei dem Fund aus Brunnen 7 um wertvolle Gegenstände, die z. T. auch im kultischen Bereich verwendet worden sind.

Erzeugnisse aus italischen Werkstätten, wie etwa die Kanne mit kleeblattförmiger Mündung, die man auch als Trifoliarkanne benennt, und die Kanne mit enger Mündung gehören wie die anderen Bronzegefässe zum Besitz einer wohlhabenden Familie. Sie wurden im Zusammenhang mit den grossen Alamanneneinfällen im 3. Jahrhundert an sicherem Ort auf der Sohle des Brunnens abgelegt und wurden nicht mehr gehoben. Möglicherweise dürfen wir darin einen Hinweis sehen, dass der Besitzer dieses Gefäßes vertrieben wurde und nicht mehr an seinen Wohnort zurückkam oder in den Wirren dieser Auseinandersetzungen starb.

Schatzfunde bilden zu allen Zeiten der Geschichte Zeichen für unruhige, ja kriegerische Auseinandersetzungen. Es sei hier nur erinnert an die zahlreichen Schatzfunde des Mittelalters, der frühen Neuzeit bis hin zu derartigen Schatzfunden aus der Zeit des 2. Weltkrieges.

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